Konzeption – Kinder in den Wald

  1. Leitbild ‚Leben Lernen‘
  2. Entstehungsgeschichte und Grundprinzip der Waldkindergärten
  3. Der Verein „Waldwichtel Bedburg e.V.“
  4. Der „Förderverein Waldwichtel Bedburg e.V.“
  5. Rahmenbedingungen unseres Waldkindergartens
    5.1 Regeln in unserem Waldkindergarten
  6. Tagesablauf in unserem Waldkindergarten
    6.1 Der Tag in unserem Waldkindergarten
    6.2 Wichtelhaus und Wichtelwiese unseres Waldkindergartens
    6.3 Waldplätze und Spielräume in unserem Waldkindergarten
  7. Bildungsgrundsätze unseres Waldkindergartens
    7.1 Bewegung
    7.2 Körperlichkeit und kindliche Sexualität
    7.3 Gesundheit
    7.4 Pflege
    7.5 Gesunde, vollwertige Ernährung
    7.6 Sprache und Kommunikation
    7.7 Soziale und (inter-)kulturelle Bildung
    7.8 Musisch-Ästhetische Bildung (Sinneswahrnehmung)
    7.9 Ethik und religiöse Bildung
    7.10 Mathematische Bildung
    7.11 Naturwissenschaftlich-technische Bildung
    7.12 Ökologische Bildung
    7.13 Medien
  8. Zweijährige in unserem Waldkindergarten
  9. Altersentsprechende Förderung des Kindes
  10. Zusammenarbeit mit den Eltern
    10.1 Eingewöhnungs-Zeit
  11. Sicherung der Rechte des Kindes
  12. Qualitätssicherung

 

1. Leitbild

Leben Lernen

Von der Sonne lernen, zu wärmen,
von den Wolken lernen, leicht zu schweben,
von dem Wind lernen, Anstöße zu geben,
von den Vögeln lernen, Höhe zu gewinnen,
von den Bäumen lernen, standhaft zu sein.

Von den Blumen das Leuchten lernen,
von den Steinen das Bleiben lernen,
von den Büschen im Frühling Erneuerung lernen,
von den Blättern im Herbst das Loslassen lernen,

vom Sturm die Leidenschaft lernen.

Vom Regen lernen, sich zu verströmen,
von der Erde lernen, mütterlich zu sein,
vom Mond lernen, sich zu verändern,
von den Sternen lernen, einer von vielen zu sein,
von den Jahreszeiten lernen, dass das Leben immer von neuem beginnt …

 

2. Entstehungsgeschichte und Grundprinzip der Waldkindergärten

Die Idee des Waldkindergartens stammt aus Skandinavien, wo 1951 der erste Waldkindergarten gegründet wurde. Der erste deutsche Waldkindergarten wurde in den 1970er Jahren eröffnet. Inzwischen gibt es in Deutschland mehrere Hundert Waldkindergärten und Regeleinrichtungen, die Waldtage in ihr pädagogisches Konzept integriert haben, und die sich einer stetig wachsenden Nachfrage erfreuen. In ihrer Arbeit unterstützt werden die Einrichtungen durch den Bundes- und die Landesverbände der Natur- und Waldkindergärten.

Das Grundprinzip Waldkindergarten ist einfach: Kinder und Fachkräfte halten sich ganzjährig und nahezu bei jedem Wetter die allermeiste Zeit im Freien auf. Die Kinder bewegen sich fast immer im selben Wald, der für sie bald zu einer vertrauten Umgebung wird. Sie spielen, basteln und essen wie in anderen Kindergärten auch, nur das Rahmenprogramm wird durch die Besonderheiten des Waldes, der Natur und der Jahreszeiten ergänzt. Für die Kinder ist Nässe und Kälte meist kein Problem. Sie sind entsprechend ausgerüstet, bewegen sich viel und sind schnell abgehärtet.

Ein ein-gruppiger Waldkindergarten mit einer maximalen Betreuungszeit von 25 Stunden pro Woche braucht nur kleine und einfache Schutzräume für extreme Wetterbedingungen.

Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass ein mehr-gruppiger Waldkindergarten mit einer Betreuungszeit von 35 und 45 Stunden pro Woche sowie Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren unbedingt angemessen große Räume benötigt. Dabei sind folgende Räume unerlässlich, um einerseits das Kindswohl neun Stunden pro Tag und bei jedem Wetter sicher zu stellen, und um andererseits die Einrichtung insgesamt professionell zu führen:

  • Sanitärräume für Kinder und Personal
  • eine Küche für die Zubereitung des Mittagessens
  • eine geräumige Garderobe für die viele Matsch- und Wechselkleidung
  • ein Schlafraum für die Kleinen
  • Räume zum Entspannen, Ausruhen, Spielen, mal drinnen essen
  • Lagerräume für Bollerwagen und Outdoor-Utensilien
  • ein Büroraum für Verwaltungsarbeit und Elterngespräche
  • ein Personal- und Pausenraum
  • auch ein Mehrzweckraum für gelenkte Bewegungsangebote aller Art sollte zur Verfügung stehen, wenn keine Turnhalle in der Nähe mitgenutzt werden kann.

Anfängliche Befürchtungen von Naturschützern, die Kinder zerstörten im Wald junge Anpflanzungen oder brächten für die Tiere zu viel Unruhe mit, haben sich nicht bewahrheitet.

Im Wald verhallen einzelne Schreie und Ausrufe. Dadurch findet meistens eine normal laute Kommunikation statt. Zudem erfahren die Kinder zunehmend, dass sie, wenn sie leise durch den Wald ziehen, viele Geheimnisse entdecken können. So ergreifen Eichhörnchen, Spechte und Mäuse bei aufmerksamen und ruhigen Kindern nicht sofort die Flucht und können gut beobachtet werden. Natürlich hört man die Kinder, „Waldkinder“ lernen jedoch in einer für sie prägenden Phase durch unmittelbare Naturerlebnisse den Wald zu schätzen, zu lieben und die Tiere, Pflanzen und Bäume zu respektieren. Ihnen muss man als Erwachsenen die Notwendigkeit von Umweltschutz nicht mehr erklären.

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3. Der Verein „Waldwichtel Bedburg e.V.“

Nachdem die Idee des Waldkindergartens in Deutschland eine Vielzahl von begeisterten Anhängern fand, und das Konzept für die gesunde physische und psychische Entwicklung von Kindern nachweisbare Erfolge zeigte, haben sich auch in Bedburg Eltern dazu entschlossen, einen solchen Waldkindergarten als Ergänzung zum bestehenden Kindergartenangebot zu gründen.

Entwicklungsgeschichte der Waldwichtel in Bedburg:

  • 31. Januar 2005: Vereinsgründung nach dem Motto „handeln statt klagen“.
  • 01. August 2006: der Waldkindergarten nimmt den Betrieb auf mit zwei Erzieherinnen, sieben Kindern und einer Betreuungszeit von 25 Stunden.
  • 01. August 2008: Erweiterung der Öffnungszeit auf 35 Stunden mit Übermittag-Betreuung.
  • 01. August 2010: Betreuung von Kindern ab zwei Jahren.
  • 01. August 2013: die Einrichtung zweigruppig mit einer Betreuungszeit von 45 Stunden.

Wir sind der Ansicht, dass Kinder im Wald den idealen Platz finden, um Kind zu sein. Hier erleben sie ihre Neugierde, das Spielen und die Bewegung im Freien in einer natürlichen Umgebung. Gerade in der heutigen Zeit, die von Technisierung, Fernseher, Spielkonsolen und Computer geprägt ist, halten wir es für notwendig, die Kinder wieder näher an die Natur, den Wald, die Bäume, Pflanzen und Tiere heran zu führen.

Die Themenbereiche Umweltbildung, viel Bewegung in der freien Natur sowie ein gesundes Ernährungsbewusstsein sind für uns von vorrangiger Bedeutung.

Daher ist es uns auch sehr wichtig als „Anerkannter Bewegungskindergarten mit dem Pluspunkt Ernährung“ zertifiziert zu sein und zu bleiben.

Das vorliegende Konzept haben wir gemeinsam erarbeitet und werden es engagiert weiter entwickeln.

Der Trägerverein des Waldkindergartens ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, Kindern in Bedburg eine waldpädagogisch orientierte Erziehung zu ermöglichen. Er benötigt weiterhin Ihre Hilfe. Mit Ihrer Fördermitgliedschaft oder Ihrer einmaligen Spende unterstützen Sie diese naturnahe Art der Kinderbetreuung – jeder Beitrag hilft. Da wir anerkannt gemeinnützig sind, können Mitgliedsbeiträge oder Spenden steuerlich geltend gemacht werden.

Spendenkonten Waldwichtel Bedburg:

Kreissparkasse Köln:

IBAN: DE90/3705/0299/0143/2714/79

BIC:

COKSDE33XXX

Volksbank Erft eG:

IBAN: DE37/3706/9252/0202/0090/18

BIC:

GENODED1ERE

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4. Der „Förderverein Waldwichtel Bedburg e.V.“

Aufgrund immer knapper werdender finanzieller Mittel wurde der Förderverein für die Waldwichtel mit dem Namen „Förderverein Waldwichtel Bedburg e.V.“ im Jahr 2014 gegründet.

Die Aufgabe des Vereins ist es, finanzielle Mittel für größere Anschaffungen von z.B. Spielgeräten, Einrichtungsgegenständen etc. zu beschaffen.

Dies erfolgt durch die Einnahmen von Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Ziele des Vereins sind:

  • Eltern und Förderer des Kindergartens zum gemeinsamen Handeln zusammenzufassen
  • finanzielle Unterstützung des Kindergartens für gemeinsame Aktivitäten zu bieten
  • finanzielle Unterstützung bei der Anschaffung von Spielzeug und Spielgeräten zur Verfügung zu stellen

Ebenso wie der Trägerverein des Waldkindergartens, ist auch der Förderverein ein eingetragener, gemeinnütziger Verein.

Somit können Mitgliedsbeiträge oder Spenden steuerlich geltend gemacht werden.

Nähere Informationen über den Förderverein können Sie der im Kindergarten ausliegenden Satzung, sowie dem Mitgliedsantrag entnehmen.

Werden Sie auch Mitglied im „Förderverein Waldwichtel e.V.“ und unterstützen Sie uns.

Spendenkonto Förderverein Waldwichtel e.V.

Kreissparkasse Köln

IBAN

DE64370502990187272311

BIC

COKSDE33XXX

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5. Rahmenbedingungen unseres Waldkindergartens

Der Standort unseres ‚Wichtelhauses’ ist auf einer Wiese direkt am Waldrand im Stadtteil Bedburg-Königshoven.

Der Kindergarten besteht aus zwei offen geführten Gruppen mit je 20 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren. Erfahrene und engagierte pädagogische Fachkräfte, betreuen die Waldkinder täglich in der Zeit von 7.00 Uhr bis 16.00 Uhr. Die Voraussetzungen für die Ausbildung von PraktikantInnen sind gegeben und Ausbildungsplätze stehen in der Regel zur Verfügung.

Die Gruppen führen Bollerwagen mit allen nötigen Materialien mit sich, wie Wasserkanister und Lavaerde zum Hände waschen, Handtücher, Wechselwäsche, Handy, Notfallkoffer, Spiel- und Bastelmaterialien, bei Bedarf Regenplanen. Jedes Kind besitzt einen kleinen Rucksack, in dem sich ein Handtuch, eine Isomatte, eine Dose mit einem gesunden Frühstück (Vollkornbrote, Obst und Gemüse) sowie eine Trinkflasche mit Wasser und evtl. ein Stofftier befinden.

Das Hauptmerkmal eines Waldkindergartens ist der Alltag im Freien. Daher besteht der wichtigste Wetterschutz für die Kinder aus wind- und wasserdichter, wärmender Outdoor-Bekleidung.

Wir bitten die Eltern um Mitgehdienste bei zum Beispiel krankheitsbedingten Engpässen innerhalb der Betreuungszeiten. Die pädagogische Betreuung der Kinder obliegt auch während der Elterndienste den Fachkräften. Wir bitten die Eltern zur Erhaltung des Waldkindergartens einen persönlichen Beitrag zu leisten, zum Beispiel bei anfallenden Arbeiten am Haus und auf dem Gelände, bei Ausflügen, Festen, besonderen Projekten, der Öffentlichkeitsarbeit usw.

Die ganz besondere Konzeption des Waldkindergartens bietet viele Vorzüge, die naturgemäß auch höhere Kosten verursachen, so dass wir die Eltern herzlich bitten, dem Förderverein beizutreten und die Einrichtung auf diesem Wege auch finanziell zu unterstützen. Diese Beiträge werden ausschließlich zum Wohle der Kinder verwendet (siehe hierzu auch „3. Der Förderverein“).

Ein einkommensabhängiger Elternbeitrag wird vom zuständigen Jugendamt erhoben.

5.1 Regeln in unserem Waldkindergarten

Zum Schutz der Kinder und des Waldes ist es unerlässlich, für das Verhalten der Kinder feste Regeln aufzustellen:

  • Wir achten die Tiere und Pflanzen des Waldes und behandeln sie sorgsam. Es wird also nichts abgepflückt oder abgerissen.
  • Wir bleiben in Sicht- und Hörweite. Unterwegs kennen die Kinder die Haltepunkte, an denen sie anhalten und warten, bis mindestens eine Fachkraft angekommen ist. Danach wird gemeinsam der nächste Haltepunkt abgesprochen.
  • Wir waschen uns die Hände vor jedem Essen.
  • Wir essen grundsätzlich nichts aus dem Wald.
  • Wir trinken kein Wasser aus stehenden oder fließenden Gewässern.
  • Wir fassen keine zahmen Wildtiere, Kadaver oder Kot an.
  • Wir halten Stöcke nicht in Gesichtshöhe und stecken nichts in Körperöffnungen.
  • Wir klettern nur auf den von den Fachkräften ausgewiesenen Bäumen.
  • Wir machen Pipi nur an den festgelegten Pipi-Plätzen.

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6. Tagesablauf in unserem Waldkindergarten

7.00 bis 8.45 Uhr Bringzeit (wird im jeweiligen Betreuungsvertrag festgelegt)

Eltern bringen ihre Kinder zur Wiese: Möglichkeit des Austausches zwischen Eltern und
Pädagogen, Vorbereitungen für den Tag, zum Beispiel Bollerwagen packen.

9.00 Uhr Gang durch Natur und Wald

Auf dem Weg zu dem besprochenen Ziel ist beides möglich: manchmal gehen wir Hand in Hand zielstrebig zu einem Waldplatz, ein anderes Mal lassen wir uns Zeit zum Reden, Entdecken und Spielen auf dem Weg.

9.15 Uhr Morgenkreis

Wir singen das Morgenlied und begrüßen uns. Ein Kind zählt die Anwesenden. Es wird besprochen, wer fehlt und warum jemand fehlt. Darauf folgen Sing-, Kreis- und Laufspiele. Schließlich möchte ein Kind vielleicht etwas erzählen und das Tagesprogramm wird besprochen.

9.30 Uhr Gemeinsames Frühstück

Isomatten werden im Kreis ausgelegt, Hände werden gewaschen und mit einem Frühstücksspruch wird das Frühstück eröffnet. Bei Regen wird eine Plane gespannt.

9.45 Uhr Freispiel und Angebote im Wald oder auf der Wiese

Zum einen bietet der Wald unzählige Anlässe zum Spielen, zum anderen bieten die Fachkräfte immer wieder geplante Angebote an, und die Kinder dürfen entscheiden was sie machen möchten.

11.15 Uhr Aufräumen und Verabschiedung vom Wald

Mit einem Lied werden die Kinder eingestimmt und aufgefordert aufzuräumen. Es folgen Abschlusskreis, Rückblick auf den Tag und Absprachen für den nächsten Tag.

11.30 Uhr Rückweg zur ‚Wichtelwiese’

Kinder und Fachkräfte gehen mit den im Wald gesammelten Eindrücken und ‚Schätzen‘ zurück zur Wiese.

11.45 Uhr Ankommen auf der Wiese und Mittagskreis

Rucksäcke werden aufgehängt und alle freuen sich auf das Mittagessen.

12.00 Uhr Mittagsmahlzeit auf der ‚Wichtelwiese’ oder im ‚Wichtelhaus’

Tische und Bänke werden auf der überdachten Terrasse aufgestellt, Hände gewaschen und mit einem Mittagsspruch wird das frisch gekochte Mittagessen eröffnet. Bei großer Kälte wird im Wichtelhaus gegessen.

13.00 Uhr Freispiel und Angebote auf der Wiese

Zum einen bietet das Kindergartengelände unzählige Anlässe zum Spielen, zum anderen bieten die Fachkräfte immer wieder geplante Angebote an, und die Kinder dürfen entscheiden was sie machen möchten.

14.30 – 16.00 Uhr Abholzeit (wird im jeweiligen Betreuungsvertrag festgelegt)

Die Eltern holen ihre Kinder ab. Kurze Gespräche werden geführt, der Bollerwagen wird ausgepackt, die Wiese wird aufgeräumt.

Natürlich kann ein Tagesablauf nie starr sein, sondern wir alle passen uns stets flexibel den Gegebenheiten an.

 

6.1 Der Tag in unserem Waldkindergarten

Ankommen auf der Wichtelwiese

Das Ankommen auf der Wiese am Morgen ist ein wichtiger Punkt im Tagesablauf, denn hier werden die Kinder empfangen und begrüßt. Ebenso wichtig ist der Austausch zwischen Eltern und pädagogischem Team.

Morgens wird besprochen wie es dem Kind geht. Wie hat das Kind geschlafen? Wie war der Morgen? Hat das Kind vielleicht Sorgen oder Ängste? Dies alles muss kommuniziert werden, damit das Kind entsprechend in der Kita aufgefangen wird. Auch eine Verabschiedung kann nicht ohne Worte klappen. Wann werde ich heute abgeholt? Was machen wir am Nachmittag? Diese Dinge können die Eltern bei der Verabschiedung mit den Kindern besprechen, sodass die Fachkräfte die Möglichkeit haben diese Themen aufzugreifen und mit den Kindern während des weiteren Tages zu besprechen.

Der Gang durch die Natur und den Wald

Ein reges Treiben herrscht am Morgen auf der Wichtelwiese, denn gleich geht es los. Gegenseitig helfen sich die Kinder die Rucksäcke anzuziehen und stellen sich hinter dem Bollerwagen auf. Schon wird das Gruppentagebuch herausgeholt und geschaut wer alles da ist. Sobald mit den Kindern abgesprochen wurde, zu welchem Platz es geht, wissen alle, ob wir direkt zum Waldplatz gehen wollen, oder ob wir uns unterwegs Zeit lassen. Wenn der Weg das Ziel sein soll, dann haben die Kinder die Möglichkeit durch Pfützen zu rennen oder Wettrennen zu veranstalten. Andere balancieren und singen zusammen ihr momentanes Lieblingslied. Manche Kinder nutzen den Weg als Schatzsuche oder für Sammelaktionen. Hierbei wird ein bestimmter Stein gesucht oder Regenwürmer und Schnecken werden unter der Lupe betrachtet. Sammeln ist das wirksamste Rezept gegen mangelnde Konzentration und Motivation. Entdecken, Sammeln, Betrachten, Erleben, schult die Wahrnehmung, Fein- und Grobmotorik, das Gedächtnis sowie die sprachlichen Fähigkeiten. Entdeckungsreisen, Schatzsuchen und Sammelaktionen wecken die Neugier der Kinder. Wer neugierig ist, entwickelt Lernbereitschaft, was wiederum die beste Voraussetzung für die Entstehung von Bildung ist.

Auf dem Weg gibt es so vieles zu erleben…!

Der Morgenkreis

Kaum sind wir an dem zuvor festgelegten Waldplatz angekommen beginnt auch schon der Morgenkreis. Mit Kreisspielen, Wettkampfspielen, angeleiteten Bewegungsangeboten oder einer Mitmachgeschichte gestalten die Fachkräfte den Morgenkreis voller Bewegungsfreude auf sehr vielfältige Art und Weise. Hierbei sollen die Kinder eine Geschichte mit allen Sinnen in sich aufnehmen, indem sie Abläufe mit ihrem Körper darstellen, Geräusche und bestimmte Bewegungen zu einzelnen Passagen machen, und ihre eigenen Ideen umsetzen. Zudem ist der Morgenkreis ein Festmahl für Buchstaben und Wörter. Es wird gesprochen, gesungen, gereimt und vieles mehr. Die Kinder können aktiv am Kreis teilnehmen oder einfach nur lauschen und schauen wovon denn jetzt das neue Lied mit den Fröschen handelt.

Das gemeinsame Frühstück

Bevor wir Frühstücken wird als erstes der Waschplatz hergerichtet und die Isomatten werden für das Frühstück im Kreis ausgelegt. Nachdem Pipi gemacht wurde und alle Hände gewaschen sind, lässt sich die Gruppe zum gemeinsamen Frühstückskreis nieder und das Frühstück wird mit einem Frühstücksspruch eröffnet.

 

Jeder holt Frühstücksdose und -flasche aus dem Rucksack und die Gruppe genießt das Frühstück in vollen Zügen an einem der idyllischen Plätze – zum Beispiel mit Blick auf den malerischen Kasterer See oder im Schatten der Bäume oder unter einer Plane zum Schutz vor Regen. In aller Regel greifen die Kinder kräftig zu, weil Bewegung und frische Luft bekanntlich den Appetit anregen. Zudem gibt es immer viele anregende Gespräche in gemäßigter Lautstärke.

Den Fachkräften ist es wichtig, dass die Kinder sich während der Mahlzeit unterhalten können. In der einen Ecke wird über das mitgebrachte Brot diskutiert und in der anderen Ecke wurde gerade ein Marienkäfer auf der Hose entdeckt. Gesprächsthemen gehen den Kindern selten aus und falls doch kann man den Vögeln bei ihren Morgengesprächen lauschen. Laut ist es im Wald eher selten, aber nie Still.

Freispiel und Angebote im Wald

Nach dem Essen werden die Frühstücksutensilien wieder eingepackt und das Spiel kann beginnen.

In dieser Zeit können sich die Kinder entscheiden womit, mit wem und wo sie spielen möchten. Aus dem Bollerwagen werden Seile, Bälle, Becherlupen, Bilder- und Bestimmungsbücher, Bastel- und Malsachen, Werkzeuge und Musikinstrumente geholt. Einige Kinder spielen und gestalten mit Sand, Wasser und Matsch oder andere entscheiden sich für die Arbeit mit Werkzeugen: bohren, sägen, hämmern, usw. So entstehen im Wald Burgen, Schwimmbäder, Eisdielen, Verkaufsläden, Fantasiehäuser oder Dornröschenschlösser – von den Kindern selbst gebaut. Jede kleine Gruppe hat ihre eigenen Gesprächsthemen, welche zwischendurch mit dem Wind in eine andere Gruppe sausen und dort aufgegriffen werden. Spiel- und Gesprächsanlässe bieten zudem umgefallene Bäume, Bucheckern die aussehen wie Schmetterlinge oder ein steiler Hang an dem heruntergerutscht werden kann. Unzählige Anlässe bietet der Wald und die Kinder dürfen entscheiden welche sie wählen. Im Wald gibt es für jeden einen Platz. Jeder kann sich frei und ungestüm bewegen, wenn ihm danach ist. Streit um Lieblingsspielzeuge oder beste Plätze gibt es kaum.

Fast täglich bieten die Fachkräfte ein geplantes Angebot in der Freispielzeit an. An diesem darf jedes Kind teilnehmen, welches Interesse daran hat. Mal wird ein spannendes Buch angeschaut oder über ein bestimmtes Tier oder einen Baum gesprochen. Aber auch kleine Kreisspiele oder Brettspiele werden angeboten. Die Vielfalt ist groß und in dieser Phase haben die Fachkräfte viele Möglichkeiten intensiv mit den Kindern in den Austausch zu gehen.

Alle Kinder räumen auf, alle Kinder alle.

Spielen, toben ist vorbei, auch die ganze Kletterei.

Alle Kinder räumen auf, alle Kinder alle.“

Wenn dieses Lied ertönt, stimmen alle Kinder mit ein, denn sie wissen jetzt ist es Zeit für den Abschlusskreis. Zusammen werden die Spielsachen, die an diesem Tag benutzt worden sind, wieder zurück in den Bollerwagen geräumt.

Der Abschlusskreis

Der Abschlusskreis verläuft ähnlich wie der Morgenkreis. Die Kinder werden durch Mitmachgeschichten, Spielgeschichten, Märchen, Lieder und Kasperletheater zur aktiven Teilnahme motiviert. Hier können sie die Bedeutung und den Klang bestimmter Worte durch Geräusche, Bewegung, Pantomime und Reime besser verinnerlichen. Sie haben die Möglichkeit die Vielfalt von Sprache und Bewegung mit Freude kennen und nutzen zu lernen. In dieser Zeit haben die Kinder die Möglichkeit vor der Kindergruppe zu erzählen was ihnen an diesem Tag besonders gut oder vielleicht auch nicht so gut gefallen hat (siehe 8. Die Sicherung der Rechte des Kindes). Eine ganz schöne Leistung vor so vielen Kindern und Erwachsenen zu sprechen. Errungenschaften aus dem Wald werden Stolz präsentiert, besprochen und dann gut verstaut, damit diese den Weg mit auf die Wiese finden.

Zum Schluss wird noch ein Abschlusslied gesungen, mit dem wir uns vom Wald verabschieden.

Zurück auf der Wichtelwiese

Zurück auf der Wiese freuen sich alle, wieder ‚daheim’ zu sein. Nun beginnt die Ruhe- und Entspannungsphase des Waldtages. Die Schlafkinder gehen mit 2 Fachkräften ins Wichtelhaus, essen dort im kleinen Kreis und werden dann schlafen gelegt. Gemeinsam mit allen anderen Kindern machen wir einen Mittagskreis und verabschieden die Kinder, die nicht im Waldkindergarten essen. Bevor wir uns an den Mittagstisch setzen, werden alle Hände gewaschen. Zwei große Tische sorgen dafür, dass die Fachkräfte zusammen mit den Kindern beider Gruppen die Mahlzeit einnehmen können. Erlebtes aus dem Wald wird mit den Kindern der anderen Gruppe besprochen und diskutiert, während die Kinder ihr Mittagessen genießen.

Ruhephase, Freispiel und Projekte

Nach der Mittagsmahlzeit werden die Kinder angehalten, sich ein wenig auszuruhen. Zu diesem Zweck werden einige vielleicht ein Gesellschaftsspiel spielen, ein Buch lesen, etwas malen, ruhige Musik hören, eine Fantasiereise machen, einfach nur kuscheln oder auch ein Nickerchen machen wollen. Wieder andere werden im Sandkasten spielen, mit Straßenkreide malen oder die aus dem Wald mitgebrachten Schätze betrachten.

Die Zeit bis zum Abholen kann dann für Spielaktivitäten genutzt werden, für die der Wald nicht so gut geeignet ist. Die große freie Fläche bietet sich zum Beispiel für Ballspiele aller Art an, zur Durchführung verschiedener Projekte mit den Schwerpunkten Kunst, Tanz, Werken, usw. Wenn das Wetter es zulässt, kann der Wasserschlauch herausgeholt werden und vieles mehr.

Fragen und Themen werden aus dem Wald auf die Wichtelwiese getragen. Die Fachkräfte greifen die Interessen der Kinder auf, besprechen und bearbeiten diese unter Zuhilfenahme von Medien. Hier lässt sich prima nachschlagen, welcher Vogel tatsächlich am Ameisenhaufen nach Nahrung gesucht hat, und warum an manchen Stellen die Steine nicht schwarz sondern rot sind.

Sinneseindrücke aus dem Wald werden aber auch in Form von Rollen- und Bewegungsspielen, Bastelarbeiten und Liedern auf die Wiese transportiert. Wie bewegt sich der Regenwurm, wie der Frosch, wie jagt die Eule in stockfinsterer Nacht, und wie funktioniert ein Ameisenstaat. All diese Fragen kann man in Spielideen umsetzen.

Abholzeit

Wie im Betreuungsvertrag vereinbart, werden die Kinder abgeholt. Kurze Übergabegespräche können geführt werden, das Team räumt alles auf, und der Waldkindergarten ruht bis zum nächsten Morgen.

6.2 Wichtelhaus und Wichtelwiese unseres Waldkindergartens

Das Wichtelhaus

Seit dem Sommer 2013 dürfen wir uns über das schöne Wichtelhaus freuen, das Kindern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine große Bandbreite an Möglichkeiten bietet:

  • Das Wichtelhaus verfügt über ein Bad für die Kinder. Hier gibt es drei Toiletten und zwei Waschbecken, die auf die Größe der Kinder angepasst sind. Ebenso gibt es zwei Wickelkommoden mit ausziehbaren Leitern, über die die Kinder selbstständig hochsteigen können. Vorhänge sorgen für Privatsphäre.
  • Über den Haupteingang gelangt man in die Garderobe der Kinder. Hier hat jedes Kind eine eigene Box mit Wechselkleidung. Ebenfalls verfügt jedes Kind über einen Kleiderhaken, an den es seine Outdoor-Kleidung hängen kann.
  • Wir haben ebenfalls zwei Gruppenräume:
    -> Der „Wald-Raum“ dient den Jüngsten zum Essen und Entspannen und wird zur Hälfte als
    Schlafraum genutzt.
    -> Im „Wiesen-Raum“ kann bei Bedarf gegessen, gespielt, gebastelt etc. werden.
  • Eine sehr gut ausgestattete Küche ist ebenfalls vorhanden. Dort wird das Essen für die Kinder jeden Tag frisch zubereitet.
  • Seit wir die Terrassenüberdachung vor dem Haupteingang haben, kann diese Fläche wie ein weiterer Gruppenraum genutzt werden.

Die Wichtelwiese

Die weite unebene Fläche, Baumstämme sowie ein angrenzendes Wäldchen bieten den Kindern reichlich Anreiz sich zu bewegen. Durch unterschiedliche Naturmaterialien wie Steine, Lehm, Sand, Gräser etc. wird außerdem die Sinneswahrnehmung aktiviert, denn Unterschiede wie rau/glatt, hart/weich werden automatisch hautnah erlebt. Die Büsche und Bäume ergeben Versteck- und Ruhezonen und unser Blumengarten sorgt für Gemütlichkeit und kreatives Mitgestalten.

Darüber hinaus stellen wir vielseitig verwendbare Materialien, wie z.B. Bretter, Rohre, Schläuche, Tücher, Lupendosen etc. auf dem Freigelände bereit, um Impulse für die kindliche Auseinandersetzung mit der Welt zu setzen.

Es wird aber auch immer wieder deutlich, dass Kinder sich mit minimalen Mitteln, wie zum Beispiel Lochbuddeln für ein Murmelspiel, ihre Spielbereiche schaffen.

6.3 Waldplätze und Spielräume in unserem Waldkindergarten

Im Wald haben die Kinder Zeit

Kinder haben von ihrer Grundeinstellung her alle Zeit der Welt. Der Wald bietet mit seiner Stille, Weite und Zeitlosigkeit einen Naturraum, in dem das Kind sich stressfrei entwickeln kann. Es kann den Blättern im Wind zuschauen, mit einem Stock verträumt im Boden bohren, Waldtiere beobachten oder Vogelstimmen lauschen. Diese Muße und Entspannung ermöglicht dem Kind die Entwicklung von Phantasie, Ideen und Kreativität und wirkt somit dem heutigen, oft reizüberfluteten Alltag entgegen. Die Kinder können im Wald ungestört experimentieren und Erfahrungen sammeln oder auch mal das Gefühl von Langeweile aushalten, um dann aus sich heraus wieder aktiv zu werden.

Schon viele verschiedene ‚Spielplätze’ haben wir mit den Kindern im Wald entdeckt und mit einem ‚Wald-Sofa‘ hergerichtet. Jeder Platz hat etwas Besonderes an sich und immer wieder bieten alle Plätze eine anregende, abwechslungsreiche Umwelt, die die Kinder zum Erkunden, Entdecken und zum Erfinden immer neuer Bewegungsspiele einlädt.

Einige dieser Waldplätze beschreiben wir hier für Euch:

  • Unser erster Platz im Wald befindet sich in der Nähe der Wiese. Da hier eine ca. 160 Jahre alte Eiche steht, tauften die Kinder ihn auf den Namen ‚Dickbaumplatz’. Durch die noch dichten Laubkronen bietet dieser Platz an sonnigen und schwülen Tagen angenehmen Schatten. Eine kleine Lehmkuhle lädt die Kinder zum Backen, Matschen und Kochen ein. Ein schräg gewachsener Baum ist zum Kletterbaum geworden. Die vielen Gräben, die häufig neben den Wegen angelegt wurden, fordern die Kinder zum herunterlaufen und hochklettern auf. Mit hoher Konzentration werden die Weinbergschnecken, die man hier immer mal wieder entdeckt, beobachtet.
  • Ein ganz gegensätzlicher Platz, der ‚Dünnbaumplatz‘, befindet sich unweit vom Dickbaumplatz. Hier gibt es viele eng stehende, junge Bäume. Vor einiger Zeit wurden hier Bäume gefällt, so dass das große Angebot von Totholz zum Sägen und Bauen einlädt. Da die Baumkronen viel Licht durchscheinen lassen, suchen wir ihn gerne an kühlen aber sonnigen Tagen auf.
  • Um den ‚Kletterbaumplatz’ zu erreichen benötigen wir schon mehr Zeit, denn der Weg dorthin ist steil und das Ziehen des Bollerwagens bringt alle zum Schwitzen. Doch dieser ‚Aufstieg’ lohnt sich, weil man auf dem sandigen Weg so schön Burgen, Kuchen und Straßen bauen oder Steine sammeln kann. Auf den Kletterbäumen spielen die Kinder Tiger, Affen oder Jäger und genießen die Sicht von oben. In der mit Gras bewachsenen Grube entstanden Rollenspiele wie: Schwimmen im Meer oder Bergsteiger.
  • Noch ein schöner Platz ist der ‚Nadelwaldplatz’. Gerne setzt man sich auf den weichen Untergrund, der aus Fichtennadeln besteht. Auch der Geruch der Nadeln, den wir nur an feuchten Tagen wahrnehmen, ist angenehm. Große Freude haben die Kinder, wenn sie den langen und relativ steilen „Abhang“ hinunterlaufen dürfen. An kalten Tagen wärmt uns dieses Spiel wunderbar auf. Bei Regenwetter bietet der Nadelwald Schutz. Viele Zapfen fordern uns zum Sammeln und Verarbeiten auf. An warmen, sonnigen Tagen beobachten wir hier fleißige Ameisen oder verfolgen Ameisenstraßen.

Manchmal machen wir auch einfach nur einen ausgedehnten Spaziergang, suchen uns ein lauschiges Picknickplätzchen und entdecken dabei nicht selten einen neuen Waldplatz für uns.

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7. Bildungsgrundsätze unseres Waldkindergartens

7.1 Bewegung

Schon das ungeborene Kind zeigt einen deutlichen Bewegungsdrang, indem es mit Armen und Beinen strampelt. Der Aufbau des „Selbst“, das Vertrauen in die eigene Person und das Bild, das man sich über sich selbst macht, ist beim Kind im Wesentlichen geprägt von Körpererfahrungen, die es in den ersten Lebensjahren macht.

Im Wald lernen die Kinder, sich natürlich zu bewegen. Hier haben sie Bewegungsfreiheit, elementare motorische Fähigkeiten werden täglich im natürlichen Umfeld entwickelt. Damit entspricht der Wald dem Bewegungsbedürfnis der Kinder und verbessert ihre Bewegungskoordination. Eine gute Bewegungskoordination (Geschicklichkeit, Gleichgewichts-, Reaktions- und Anpassungsfähigkeit) trägt dazu bei, dass Kinder sich ganz allgemein in allen Alltagssituationen sicherer bewegen und seltener in einen Unfall verwickelt werden.

In der Natur lernen Kinder Entfernungen einzuschätzen, zum Beispiel die Höhe beim Klettern, was ihnen Selbstsicherheit gibt. Wenn Kinder klettern sind sie ganz in ihrem Element. Klettern bedeutet, seine Kräfte zu messen, seine körperliche Geschicklichkeit zu erproben und somit sein Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu steigern. In Bäumen kann man nicht nur klettern, hangeln, balancieren, springen, schwingen und sich verstecken, sondern auch beobachten, träumen und sich absetzen von der Welt da unten. Viele Kinder bestehen im Kletterbaum richtige Abenteuer, bei denen sie sich intensiv selbst erleben. Dass das Klettern auch so manches Problem mit sich bringt, ist selbstverständlich. Die Kinder lernen Niederlagen und Rückschläge einzustecken und erkennen, dass gewisse Fertigkeiten erst einmal erlernt und geübt werden müssen. Auf diese Weise werden Kinder lebenstüchtig. Sie lernen ihre Schwächen und die der anderen kennen, stoßen an ihre eigenen Grenzen und fordern andere heraus.

Bei den Waldwichteln in Bedburg haben die Kinder die Möglichkeit:

  • die Grobmotorik anzuregen, indem sie jederzeit laufen, hüpfen, drehen, springen, stoppen, usw. können. Die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit fördert die Sicherheit im Umgang mit dem Körper. Das Balancieren auf natürlichen ‚Geräten’ fördert das Gleichgewicht des gesamten Körpers.
  • mit festem Schuhwerk in Absprache mit einer Fachkraft auf bestimmte Bäume zu klettern.
  • mit den verschiedensten Naturmaterialien umzugehen. Morsches Holz mit den Fingern zerbröseln, mit zwei Fingern ‚Gewürze’ in die Suppe streuen, kleine Tiere vorsichtig aufheben, auf dem Boden liegende Blätter zerrupfen, Bilder aus Naturmaterialien legen, Eicheln oder Kastanien auffädeln fördert die Feinmotorik.
  • mit verschiedensten vorgefertigten Materialien, wie Papier, Farben, Pinseln, Stiften, Scheren, Klebstoff, Wolle, Ton, Schaufeln, Eimern, Seilen, Bettlaken, Bällen, Musikinstrumenten und Schwungtüchern umzugehen.
  • sich in Morgen- und Abschlusskreis an Bewegungsspielen aller Art zu beteiligen.
  • an angeleiteten Turnstunden teilzunehmen: im Mehrzweckraum mit Bewegungslandschaft oder Yoga (Traumreisen, Massagen); auf dem Sportplatz mit Fußball oder anderen Ball- und Laufspielen.
  • sich zu entspannen, indem sie sich zurückziehen, um zu kuscheln, Bücher anzuschauen, leise CDs zu hören, etc.
  • Musikinstrumente und Musik für rhythmische Bewegung und Tanz einzusetzen.

 

7.2 Körperlichkeit und kindliche Sexualität

Unsere Beweggründe:
Das Thema Körperlichkeit oder Sexualität verunsichert im Allgemeinen viele von uns und birgt deshalb viel Konfliktpotential.

Ganz nach dem Motto „Wir schauen hin!“ haben wir 2016 die erste Team-Fortbildung zu diesem Thema gemacht. Eine Sexualpädagogin hat das pädagogische Team an zwei Tagen geschult und darüber hinaus einen Elternabend angeboten, an dem auch das Team teilgenommen hat. Die sehr gute Resonanz von vielen Eltern hat den Bedarf gezeigt. Daher möchten wir alle 2 Jahre einen Elternabend veranstalten, der von einer Sexualpädagogin für Fragen und Anregungen rund um das Thema Körperlichkeit gestaltet wird.

Unser vorrangiges Ziel ist es, auf diesem Wege alle Beteiligten zu schützen. Offener und klarer Umgang mit dem Thema schützt vor Missbrauch! Wichtig ist, sowohl die Kinder als auch die Fachkräfte zu schützen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Männer den Beruf des Erziehers aus Sorge vor Anschuldigungen dieser Art gar nicht erst ergreifen. Über unsere uneingeschränkte Offenheit erreichen wir, dass Männer in unserem Team gleichberechtigt (zum Beispiel beim Wickeln) arbeiten können.

Pädagogische Praxis:

Der Mensch interessiert sich von Anfang an für den eigenen und den fremden Körper. Der Austausch von Zärtlichkeiten, das einander Berühren, das ungezwungene und neugierige Erforschen des Körpers ist notwendig, um eine Ich-Identität aufzubauen und sich seines Geschlechts bewusst zu werden. Das geschieht bei Kindern in der Regel spielerisch, intuitiv und unbefangen. Wir Erwachsenen müssen lernen, die kindliche Sexualität nicht mit der erwachsenen Sexualität zu vergleichen. Im Normalfall ist kindliche Sexualität absolut unschuldig und sollte deshalb von den Erwachsenen ohne Tabu behandelt werden.

Bei den Waldwichteln in Bedburg haben die Kinder die Möglichkeit:

  • mit den Fachkräften über Themen des Körpers, wie zum Beispiel Geschlechtsunterschiede und Geburt, über ihre Gefühle und Empfindungen zu sprechen. Ganz wichtig ist uns dabei, dass jedes einzelne Kind deutlich sagen lernt, was es mag und was nicht. Über den eigenen Körper entscheidet jeder selbst und diese Grenzen müssen alle anderen in vollem Umfang akzeptieren und respektieren. Sollte eine solche Grenze doch einmal nicht eingehalten werden, darf und soll das Kind sich Hilfe holen bei Erwachsenen, denen es vertraut: Pädagogen im Kindergarten oder Eltern zuhause.
  • altersgerecht den eigenen Körper und den der andern kennen zu lernen, die eigenen Grenzen und die der anderen zu erkennen und zu wahren (z.B. das Schamgefühl beim Wickeln oder beim Toilettengang, bei Doktorspielen, etc.). Wenn aber Einverständnis darüber herrscht, dass Kinder sich einmal nackt anschauen möchten (z.B. auf der Toilette beim Pipimachen), dann dürfen sie sich einen geschützten Rahmen dafür schaffen, den die Fachkräfte aus angemessenem Abstand im Blick behalten. Die Erfahrung zeigt, dass durch den offenen Umgang mit Körperlichkeit dieses natürliche Grundbedürfnis der Kinder ganz schnell befriedigt ist. Dabei achten wir darauf, dass die erlernten Grenzen auch eingehalten werden.
  • ihren Körper intensiv wahrzunehmen durch Yoga- und Entspannungseinheiten, mit Hilfe von Massagebällen, Federn usw., und dies sprachlich zu begleiten, indem sie mit uns über ihre Gefühle sprechen und wir diese ernst nehmen. Fragen, die die Kinder zu Themen des Körpers haben, werden aufgenommen und kindgerecht beantwortet. Unser Ziel ist, dass die Kinder ein gutes Körpergefühl entwickeln und einfühlsam miteinander umgehen.

7.3 Gesundheit

Körperliches, geistiges und seelisches Wohlbefinden ist eine grundlegende Voraussetzung für Entwicklung und Bildung sowie ein Grundrecht von Kindern.

Die gesundheitlichen Vorteile der waldpädagogischen Erziehung sehen wir wie folgt:

  • Bewegung und frische Luft sind von elementarer Bedeutung für die Gesundheit unserer Kinder. Durch den Aufenthalt in der freien Natur wird das Immunsystem gestärkt und eine eventuelle Ansteckungsgefahr verringert.
  • Da auf gesunde Ernährung geachtet wird, und die Kinder durch viel Bewegung an der frischen Luft großen Appetit bekommen, essen sie gerne und viel Gesundes.
  • Haltungsschäden wird vorgebeugt, denn der Bewegungsraum „Wald“ stellt vielfältige Anforderungen an den Körper. Alle Teile der Muskulatur werden beansprucht, so dass sie sich gleichmäßig ausprägen und den Knochenbau in ausgewogener Weise unterstützen können. Vor allem fördert der unebene Boden die Balance und somit eine gute, aufrechte Haltung. Auch Kinder mit motorischen Defiziten, Auffälligkeiten oder Störungen sind bei uns bestens aufgehoben. Sie lernen Hindernisse zu überwinden, zu balancieren, den Waldboden zu spüren, im Matsch zu spielen und ihre Sinne zu schärfen.
  • Das natürliche Umfeld wirkt ausgleichend, beruhigend und entspannend auf Körper, Geist und Seele. Die Ruhe und Weite, die der Wald ausstrahlt, überträgt sich auf die gesamte Gruppe und führt zu einer friedlichen Atmosphäre. Die Kinder können sich im Wald sehr gut von emotionalen Spannungen befreien und aufgestaute Energien, Ängste und Frustrationen abbauen. Die Kinder sind in der Regel nicht so laut, nicht so wild und nicht so aggressiv.

YOGA: Seit mehreren Jahren führt eine unserer Fachkräfte Yoga-Einheiten mit den Kindern im Waldkindergarten durch. Überzeugt von dieser Idee, haben wir 2017 die erste Teamschulung „YoBEKA (Yoga, Bewegung, Entspannung, Konzentration und Achtsamkeit)“ beim Kinderyoga-Bildungsinstitut absolviert, damit jedes Teammitglied in der Lage ist, Yoga-Sequenzen in den Waldkindergarten-Alltag einfließen zu lassen.
Die gesundheitlichen Vorteile sehen wir dabei wie folgt:

  • Bewegung: Förderung von Körperwahrnehmung und Körperhaltung, wobei motorische und kognitive Fähigkeiten miteinander kombiniert werden.
  • Entspannung: Förderung von Ruhe und Stille, wobei die Kinder lernen gelassener mit den verschiedenen Alltagssituationen umzugehen, psychische Spannungen können auf diese Art gelöst werden.
  • Konzentration: Fokussierung auf eine Sache, wobei die Kinder lernen, die gesamte Aufmerksamkeit auf eine Sache zu lenken ohne mit den Gedanken abzuschweifen.
  • Achtsamkeit: Förderung von Selbstbewusstsein und Empathie
    Achtsamkeit ist mehr als Konzentration. Konzentration ist die Fokussierung auf eine Sache, wie zum Beispiel bei Rechenaufgaben. Sind wir achtsam, erweitert sich unser Blickwinkel. Wir nehmen uns und unsere Umwelt wahr. Wir sind im Hier und Jetzt! Achtsamkeit ist ein aktiver Begriff, ein aktiver Prozess und erfordert Präsenz. Achtsamkeit beginnt immer bei uns selbst. Achtsamkeit ist Neugierde, Wissensdrang, Offenheit, Aufgeschlossenheit. Achtsamkeit fördert die Empathie. Die Rituale fördern Einsicht und Mitgefühl mit sich selbst und anderen Wesen gegenüber. Die Kinder lernen ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer wahrzunehmen und diese zu verstehen. Die Kinder gehen friedvoller miteinander um und lernen Bedürfnisse und Konflikte zu benennen und Lösungen zu finden. Ganzheitliches Lernen ist ein Lernen mit dem Verstand, dem Gemüt und dem Körper.

7.4 Pflege

Die Pflege der Kinder nimmt einen wichtigen und großen Raum im Tagesablauf ein. Die Erfüllung des kindlichen Grundbedürfnisses ist die Voraussetzung für eine gute pädagogische Arbeit. Erst wenn das Kind sich rundherum wohl und sicher fühlt, kann es seinen Vorlieben und Interessen nachgehen und seine Umwelt entdecken.

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es eine Selbstverständlichkeit, dass:

  • die Kinder jederzeit gewickelt werden können. Entweder im Bad des Wichtelhauses, oder im Wald. Dort haben wir dank des Bollerwagens und der Zahl der betreuenden Personen ebenfalls immer Gelegenheit, ein Kind zu wickeln. Im Wichtelhaus wickeln wir auf der Wickelkommode, unterwegs auf einer Einmalunterlage, auf einem weichen Untergrund.
  • das Windeln wechseln mit Achtsamkeit und Respekt vor dem Kind gestaltet wird. Entscheidend ist, welche Botschaft dem Kind während der Pflege vermittelt wird.
  • die Kinder mitentscheiden, wie sie gewickelt werden wollen (liegend oder stehend). Nach dem Wickeln desinfizieren wir die Hände.
  • alles gut vorbereitet ist, damit das Wickeln nicht lange dauert, so dass die Kinder in der Zeit nicht auskühlen. Bei Minustemperaturen planen wir unseren Alltag so, dass wir die Kinder im Wichtelhaus wickeln.
  • darauf geachtet wird, dass die Kinder jederzeit trocken, im Winter warm und im Sommer nicht überhitzt sind, da die jüngsten Kinder oftmals noch nicht in der Lage sind, sich dementsprechend zu äußern.
  • die Kinder lernen, wie sie sich gründlich die Hände waschen und nach dem Essen den Mund mit Wasser ausspülen. Körperpflege bedeutet für Kinder nicht in erster Linie Hygiene oder Reinigung, sondern bietet ihnen vielfältige Möglichkeiten, sich mit ihrem Körper zu beschäftigen und ein positives Körpergefühl zu entwickeln, zum Beispiel beim Einseifen des Körpers oder beim Plantschen mit Wasser.

7.5 Gesunde, vollwertige Ernährung

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein der Kinder für die Bedeutung und den Wohlgeschmack naturbelassener, zuckerzusatzfreier Lebensmittel zu wecken. Dabei vermitteln wir den Kindern, dass es einen Unterschied gibt zwischen Lebens- und Nahrungsmitteln. Lebensmittel, wie z.B. rohes Obst und Gemüse, sehen von Natur aus schön aus, riechen gut, schmecken lecker und tun dem Körper gut. Geschmack und Aussehen von Nahrungsmitteln, wie z.B. denaturierten Fabriknahrungsmitteln, Süßigkeiten und Softdrinks, müssen im Labor künstlich hergestellt werden und schädigen sowohl den Körper als auch den Wald (die Umwelt).

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es eine Selbstverständlichkeit, dass:

  • über Ernährungsfragen gesprochen wird.
    -> zum einen greifen die Fachkräfte dieses Thema immer wieder auf,
    -> zum anderen spricht eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes regelmäßig mit den Kindern über die Folgen schlechter Ernährung,

 

-> zu guter Letzt sprechen Kinder aus ernährungsbewussten Elternhäusern mit den anderen Kindern über Ernährungsfragen, so dass alle davon profitieren.

  • Frühstück und Mittagessen gemeinsam eingenommen werden. Außer der Reihe darf mit den eigenen Frühstücksdosen auch mal ein Picknick gemacht werden. Bei Bedarf bieten die Fachkräfte zwischendurch Obst und Gemüse an.
  • jeden Mittag im Kindergarten mit Produkten aus kontrolliert biologischem Anbau vollwertig und gesund frisch gekocht wird.
  • es vor der warmen Mahlzeit täglich Gemüse-Rohkost oder Salat gibt, was die Kinder sehr gerne annehmen. Nach der warmen Mahlzeit gibt es hin und wieder eine Nachspeise.
  • die Kinder motiviert werden, alles einmal zu probieren. Was sie gar nicht mögen, müssen sie aber nicht essen, und sie müssen auch den Teller nicht leer essen, wenn sie satt sind.
  • die Kinder lernen, sich nur so viel auf den Teller zu nehmen, wie sie schaffen können. Eine weitere Portion darf sich immer jeder nehmen, Essen wegwerfen versuchen wir dagegen zu vermeiden.
  • ein Kind eine Nachspeise auch dann essen darf, wenn es die Hauptspeise nicht essen mochte, weil bei uns jede Speise gleichermaßen vollwertig ist.
  • ein Geburtstagskind Obst, Gemüse, Nüsse, etc. mitbringen kann, was dann mit großen Spaß und Genuss beim gemeinsamen Picknick verzehrt wird.
  • mit den Kindern zusammen in eigenen, selbst angelegten Beeten Gemüse, Kräuter und Obst angebaut, geerntet und verwertet wird.

Wir haben die Ernährungsregeln in der Kindergartenordnung und auch in der Vereinssatzung festgelegt, und die Eltern verpflichten sich, diese zu befolgen.

7.6 Sprache und Kommunikation

Sprachkompetenz ist in unserer Gesellschaft eine Schlüsselkompetenz. Sie ist nicht nur im persönlichen Umfeld relevant, sondern sie bestimmt ganz wesentlich die Bildungschancen und die damit verbundene spätere soziale und berufliche Stellung in der Gesellschaft. Sprache wird von uns allen für ganz unterschiedliche Zwecke eingesetzt:

  • Ein wichtiger Aspekt ist die Beschreibung dessen, was wir wahrnehmen.
  • Ein weiterer Zweck ist der Wunsch, eigene Bedürfnisse auszudrücken bzw. die Bedürfnisse anderer zu erfragen.
  • Das sprachliche Ausdrücken von Vergangenheit und Zukunft spielt ebenfalls eine große Rolle.
  • Und nicht zuletzt ist das Entstehen einer eigenen Fantasiewelt ein wichtiger Entwicklungsschritt, auch auf sprachlicher Ebene, indem zum Beispiel neue Begriffe von den Kindern erfunden werden.

Natürliche Sprachanlässe finden die Kinder im Wald zuhauf. Die sich ständig verändernden Bedingungen des Wetters und der Jahreszeiten spielen dabei eine große Rolle. Genauso aber auch das rege tierische und pflanzliche Leben. Ameisenhaufen, Bienenvölker, die dahin huschenden Eidechsen, die Kröte bei der Eiablage, der klopfende Specht: immer wieder treten neue tierische Akteure in den Fokus der Kinder. Oftmals schaffen sie sich dabei eine eigene Sprachwelt, mit eigenen Begriffen. Ein ausgehöhlter Baumstamm wird zur Zwergenhöhle. Die Waldplätze kriegen eigene Namen wie „Hexenwald“, „Krakselplatz“ oder „Graben-Rutsch-Platz“. Diese Namen der Plätze bezeichnen Orte, die den Kindern wichtig sind. Selbst Kinder deren Aufmerksamkeit schnell erlahmt, befassen sich in der freien Natur erfahrungsgemäß sehr viel ausführlicher mit einem Thema. Zudem haben auch sonst eher zurückhaltende Kinder im Wald weniger Hemmungen zu sprechen, da sich immer wieder neue Gruppenkonstellationen bilden. Und die Kinder sind freier, sie entscheiden mit, in welches Thema sie sich vertiefen wollen, weil es sie gerade interessiert.

Schon am Morgen auf der Wiese zeigt sich das große natürliche Interesse der Kinder an Sprache, das sich über den ganzen Tag hinweg wie ein roter Faden hindurchschlängelt. Hierbei ist uns wichtig, dass die Fachkräfte auf dieses Interesse der Kinder eingehen und mit ihnen in Dialog treten. Die Fachkräfte bieten immer wieder Sprachanlässe an zu unterschiedlichen Themen mit unterschiedlichen Medien und Methoden, wie zum Beispiel Bücher, Musik, Gesang, Lupengläser, Gesellschaftsspiele und vieles mehr.

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es eine Selbstverständlichkeit, dass:

  • Erlebnisse und Erfahrungen (Ausflug mit der Familie, aktuelle Vorfälle, Wochend-Erlebnisse) als Erzähl- und Austauschanlässe aufgegriffen werden.
  • Bewegungsräume genutzt werden, um die Bedeutung von Begriffen am eigenen Leib zu erfahren:
    -> Präpositionen wie auf, unter, neben
    -> Adjektive wie groß, klein, schnell oder langsam
    -> Verben wie schleichen oder stampfen
  • Medien bereitgestellt werden:
    -> Bilderbücher, Geschichtenbücher, Sachbücher, Kinderlexika,
    -> Kinder- und Dokumentarfilme
    -> CDs, Musik und Hörspiele
  • Kinderlieder gesungen und Bewegungs- und Singspiele, Rätsel, Sprachspiele, Kinderreime, Fingerspiele angeboten werden.
  • die Herkunftsspache der Kinder aufgegriffen wird, indem zum Beispiel Begrüßungen in verschiedenen Sprachen ausgesprochen oder Lieder in verschiedenen Landessprachen gesungen werden.
  • Theater gespielt wird, indem improvisierte Szenen zum Beispiel aus Märchen gesprochen und dargestellt werden.
  • wir über sehr viele Bücher in der Einrichtung verfügen, die jederzeit von den Kindern ausgeliehen werden dürfen.
  • im Rahmen der Vorschulerziehung:
    -> bereits die ersten Buchstaben kennengelernt werden
    -> Ausflüge gemacht werden, die immer wieder neue Sprachanreize bieten.
  • Pantomime als non-verbale Ausdrucksmöglichkeit genutzt wird, um einfach Begriffe darzustellen.
  • Tierstimmen bewusst wahrgenommen und imitiert werden.
  • die Kinder lernen, auf non-verbale Ausdrücke von Gefühlen, wie zum Beispiel Weinen oder Augen verdrehen, zu achten und angemessen zu reagieren.

7.7 Soziale und (inter-)kulturelle Bildung

Selbstvertrauen ist die Grundvoraussetzung, um offen und tolerant gegenüber anderen Menschen und fremden oder unbekannten Gebräuchen und Lebenswelten zu sein. Selbstvertrauen können Kinder entwickeln, wenn ihrer Kultur, ihrer Sprache und insbesondere ihnen als Person Wertschätzung entgegengebracht wir. Das Miteinander leben und inter-agieren in einer Gruppe mit der Vielzahl an unterschiedlichen Meinungen und Bedürfnissen erfordert konstruktives Konfliktverhalten, Auseinandersetzung und Abstimmung mit anderen und das Eintreten für die eigenen Interessen. In ein solches Konfliktverhalten müssen Kinder hineinwachsen. Sie lernen, ihre Gefühle, Interessen und Grenzen wahrzunehmen und auszudrücken, ihr Verhalten zu kontrollieren, Konflikte auszuhalten und Lösungen zu finden. Eine Aufgabe unseres Fachpersonals ist es Fremdheitserfahrungen aufzugreifen und Kinder dazu zu ermutigen, andere Sicht- und Lebensweisen oder Kulturen kennenzulernen.

 

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es eine Selbstverständlichkeit, dass:

  • Patenschaften für neue Kinder und Verantwortung für andere Kinder übernommen wird.
  • auf langsamere, jüngere oder ungeschicktere Kinder Rücksicht genommen wird.
  • Kinder eigenverantwortlich Aufgaben in der Gruppe übernehmen dürfen, wie zum Beispiel Bollerwagen ziehen, Lavaerde zum Waschen auf die Hände streuen, Getränke verteilen, Tisch decken und abräumen, usw..
  • Selbstwahrnehmungen und Selbsterfahrungen gemacht werden können, indem Kinder sich zum Beispiel selbst malen oder ein Kind sich auf den Boden legt und ein anderes seine Körperkonturen mit Naturmaterialien umrandet.
  • das Werk eines anderen Kindes (z.B. ein Gemälde im Sand) oder dessen Spielzeug (ein besonders schöner Stock) respektiert werden. Jedes Kind ist nicht nur für sich und seine persönlichen Dinge, sondern auch für andere Kinder, deren Sachen und das Kindergartenmaterial verantwortlich.
  • die Kinder lernen, eigene individuelle Vorlieben zu erkennen und dazu zu stehen, auch wenn diese von anderen nicht geschätzt werden. Es ist uns sehr wichtig, sich selbst und den anderen mit seinen Eigenheiten zu akzeptieren und zu respektieren.
  • räumliche Möglichkeiten und Utensilien für Rollenangebote zur Verfügung stehen, wie Handpuppen, Kostüme, usw.
  • die Kinder bei der Gestaltung des Tagesablaufes mitbestimmen dürfen. So entscheiden sie zum Beispiel mit über den Waldplatz, darüber was im Morgen- und Abschlusskreis gemacht wird, was sie spielen möchten, wann sie eine Ruhepause einlegen möchten usw.

7.8 Musisch-Ästhetische Bildung (Sinneswahrnehmung)

Ästhetik betont die Bedeutung sinnlicher Wahrnehmung in Bildungs- und Erkenntnisprozessen. Sie berührt daher alle Bereiche des alltäglichen Lebens. Kinder, die gelernt haben, ihren Wahrnehmungen zu vertrauen, die nicht ausschließlich auf Informationen von Erwachsenen angewiesen sind, gehen vernünftig mit sich um.

Bei den Waldwichteln in Bedburg haben die Kinder die Möglichkeit:

  • durch sinnesanregende Impulse von Fachkräften und Natur ihre Aufmerksamkeit zu schärfen und ihren Wahrnehmungshorizont zu erweitern, zum Beispiel indem Wolken oder Baumkronen im Wind beobachtet werden: „Guck mal! Die Wolke sieht aus wie ein Dinosaurier!“. Dabei werden Phantasie und Vorstellungskraft eingesetzt und weiterzuentwickeln
  • eine Fülle von Bildern, Geräuschen, Gerüchen, Berührungs- und Bewegungsempfindungen zu erleben, indem man zum Beispiel einen Fühlpfad anbietet.
  • das Klettern zu üben und sich sicher im Baum zu halten
  • Fertigkeiten im Umgang mit Materialien, Werkzeugen und Instrumenten zu erwerben
  • am Lagerfeuer die Wirkung von Feuer zu begreifen.
  • bei Spielen, Aktionen und Projekten durch ‚freudvolle, sinnliche Erlebnisse’ für das Leben zu lernen.

Musik spricht die Sinne in vielerlei Weise an, lässt Bilder im Kopf entstehen, berührt und bietet vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten. Damit kann Musik wesentlich zur Ausgeglichenheit beitragen. Gemeinsames Singen und Musikzieren macht Kindern Freude und fördert sie auf vielerlei Weise. Das gemeinsame Singen und Musizieren, das Sprechen von Versen und (Abzähl-)Reimen fördert die kindliche Intelligenz. Aktives Musizieren lässt beide Gehirnhälften gemeinsam in Aktion treten und dadurch entsteht im Kopf ein differenziertes großes neurologisches Netzwerk. Zudem können musikalische oder akustische Rituale die Aufmerksamkeit der Kinder auf regelmäßig wiederkehrende Ereignisse oder Aktivitäten lenken und ihnen Sicherheit geben.

 

Bei den Waldwichteln in Bedburg haben die Kinder die Möglichkeit:

  • Musikalität auch über den geräusch- und klangvollen Alltag zu erleben:
    -> das Hören von Regentropfen auf dem Blätterdach
    -> das rhythmische Zählen von Wanderschritten
    > das Rauschen des Windes, das Aneinander-Reiben der Äste und das Rascheln der Blätter, wenn der Wind durch den Baum fährt.
  • zu erleben, wie der eigene Körper zum Klang- und Geräuschinstrument wird, indem sie mit den Füßen über verschiedene Untergründe stampfen, Vogelzwitschern nachmachen, usw.
  • Klangeigenschaften unterschiedlicher Materialien zu erforschen und zu verarbeiten: Klopfen sie mit einem dünnen Stock auf einen Stein, so hört sich das anders an, als mit einem dicken Stock. Ein vertrocknetes Blatt hört sich beim Kneten in der Hand anders an als ein frisches Blatt, usw.
  • verschiedene Bereiche kennenzulernen, die sinnesanregend zum musikalischen Tun motivieren. Zu diesem Zweck machen die Fachkräfte Angebote aller Art:
    -> klingende Objekte für drinnen und draußen (z.B. Kastanien aneinander reiben)
    -> Musikinstrumente für drinnen und draußen
    -> Musik unterschiedlichster Stilrichtungen (Kinderlieder, Klassikstücke, „Disco“, Tanzmusik, Musik aus anderen Ländern)
    -> Tücher, Bänder, Verkleidungsgegenstände, Mikrofon

Gestalten kann als besondere Form des Spielens bezeichnet werden. Kinder lieben es Spuren zu hinterlassen, sei es durch Malen und Zeichnen auf Sand oder Papier, durch Arbeiten mit Holz, durch Formen mit Lehm etc. So machen sie positive Erfahrungen hinsichtlich ihrer Selbstwirksamkeit. Dabei geht es nicht um die Erstellung eines fertigen Produktes, sondern um das Gestalten an sich. Die Vielfältigkeit der Materialien und das Kennenlernen verschiedener Techniken ermöglichen dem Kind unterschiedliche Gestaltungsweisen auszuprobieren und durch kleine Veränderungen immer wieder neu zu entdecken. Diese Gestaltungsprozesse fördern die Feinmotorik und Körperkoordination, die Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer sowie Fern- und Nahsinne.

Bei den Waldwichteln in Bedburg haben die Kinder die Möglichkeit:

  • in der Natur mit natürlichen Materialien zu gestalten, indem sie zum Beispiel:
    -> mit einem Stock Muster in den Sand malen;
    -> Bilder und Mandalas mit allem legen, was ringsum zu finden ist
    -> selber Lehm anrühren, um Bäume damit zu bemalen oder Objekte daraus zu formen
    -> bei Regen einen Staudamm bauen
  • drinnen und draußen mit vorgefertigten Materialien zu gestalten, wie zum Beispiel:
    -> mit Papier und Pappe
    -> mit flüssiger und fester Farbe
    -> mit Scheren und Klebstoff
    -> mit Pinseln in verschiedenen Größen und Stärken
    -> mit Malstiften in verschiedenen Größen und Stärken
    -> mit Stoffen, Wolle und Perlen
    -> mit magnetischen Bauteilen
    -> mit Werkzeugen, wie Sägen, Hämmern und Nägeln

7.9 Ethik und religiöse Bildung

Die ethische und religiöse Orientierung ist ein wesentlicher Aspekt von Bildung und ermöglicht es, Sinnzusammenhänge zu erfassen, die das „Ganze“ der Welt erschließen und Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu beantworten können. Dabei sind Ehrfurcht vor dem Leben, verantwortliches Handeln, der Sinn nach Gerechtigkeit und friedlichem Zusammenleben sowie Solidarität mit den Schwächeren wesentliche Bestandteile ethischer Bildung. Jedes Kind bringt Offenheit und Neugierde für verschiedene Weltanschauungen mit. Wenn Kinder die Welt erforschen, stellen sie Fragen nach dem Anfang und Ende, nach dem Sinn und dem Wert des Lebens. Sie staunen über das, was sie wahrnehmen, und sind fasziniert von dem, was sie nicht sehen. Die Auseinandersetzung mit weltanschaulichen Fragen und Traditionen und die Kenntnis ethischer und religiöser Deutungen sind ein wesentlicher Baustein, um eigene Antworten zu finden und die eigene Identität herauszubilden.

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es selbstverständlich, dass:

  • die Kinder Begleitung und Anregungen bei ihren Fragen nach dem Lebenssinn, dem Lebensinhalt und der Welt durch die Aufgeschlossenheit unserer Fachkräfte erhalten.
  • wir die Lebensbezüge, Erfahrungen, Stärken, Bedürfnisse, Interessen und Fragen der Kinder mit einbeziehen.
  • unsere Fachkräfte Offenheit und Akzeptanz im interreligiösen Dialog zeigen, weil unsere Gesellschaft zunehmend multireligiös geprägt ist.
  • durch die Wahrnehmung und Anerkennung der Vielfalt der Kulturen und Religionen ein wichtiger Beitrag zum Miteinander leben und zu mehr Chancengleichheit geleistet wird.
  • Regeln für den Umgang miteinander gefunden und verabredet werden (zum Beispiel kann ein Thema aufgemalt werden, um gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln).
  • Kooperationsspiele das gegenseitige Vertrauen stärken, indem zum Beispiel ein Kind ein anderes Kind mit verbundenen Augen durch den Wald führt.
  • alle Teile der Schöpfung gleichwertig betrachtet und behandelt werden. Die Kinder lernen bei uns den Menschen, Tieren und Pflanzen mit Respekt und Achtsamkeit zu begegnen.
  • die Schöpfung erlebt wird durch:
    -> das Sehen und Pflegen von Pflanzen (z.B. Anbau von Obst und Gemüse)
    -> den Bau und Betrieb von Insektenhotels und Vogelhäuschen
    -> die Aufzucht von Kaulquappen
  • Lieder und Reime unterschiedlicher Kulturen kennengelernt werden
  • Feste und Traditionen gemeinsam vorbereitet und gefeiert werden.

7.10 Mathematische Bildung

Unsere Welt steckt voller Mathematik. Viele Kinder lieben es, Dinge zu zählen, benutzen gerne Abzählreime oder sind fasziniert von großen Zahlen. In der Symmetrie von Pflanzen und in den Flügeln von Schmetterlingen sind ebenso mathematische Strukturen zu entdecken wie beim Hören eines Musikstücks oder beim Spielen von Musikinstrumenten. Kinder nehmen beim Klettern, Toben und Verstecken verschiedene räumliche Perspektiven ein und experimentieren beim Bauen mit geometrischen Formen. Spiel- und Alltagsgegenstände werden in vielfältiger Weise geordnet und klassifiziert, verglichen oder benannt. Die Kinder erfahren sich als kompetente kleine Forscher und Entdecker in diesem Bereich. Hierbei geht es vor allem um den Spaß beim Entdecken, die Freude am Lösen kniffliger Probleme und Rätsel. Der Austausch mit anderen Kindern und auch Erwachsenen über verschiedene Lösungsmöglichkeiten und das Nachdenken über eigene Vorstellungen sind sinnvolle Interaktionen und fördern eine positive Haltung zur Mathematik.

Die Alltäglichkeit der Mathematik wird den Kindern im Waldkindergarten bewusst gemacht, indem ihnen viele Möglichkeiten angeboten werden:

  • Das Konzept der Menge in Alltagssituationen wird aufgegriffen: Wie viele Kinder sind in unserer Gruppe? Dinge werden gezählt und verglichen.
  • Es werden viele Materialien zum Ordnen, Sortieren und Klassifizieren zur Verfügung gestellt, wie Naturmaterialien, Bauklötze, Perlen, usw.
  • Mathematische Aspekte werden in Spielsituationen aufgegriffen, beim Abzählen, beim Aufteilen von Gruppen, beim Würfeln, etc.
  • Andere Orte und Ausflüge werden zu mathematischen Aktivitäten genutzt: Wie weit ist der Weg? Was kostet es, wenn wir den Bus benutzen? Wie lange können wir im Park bleiben, usw.
  • Zahlen werden in der Umwelt aufgegriffen und in Beziehung gebracht (Alter, Hausnummer, Zahl der Geschwister, Zahlen auf der Uhr, auf dem Kalender, usw.)
  • Entfernungen, räumliches Denken und Geschwindigkeiten werden erprobt: Wie weit ist der Waldplatz in Minuten, Metern, Schritten entfernt?
  • Räumliche Überlegungen werden angestellt: Kletterparcours werden erfunden, Bauplan einer Spielburg wird aufgemalt, eine Schatzkarte wird gezeichnet, es wird verstecken gespielt, usw.
  • Strukturen von Abläufen werden bewusst gemacht (Tagesplanung in der Kita, Jahreslauf, Geburtstage, Tag und Nacht und Wochentage).

7.11 Naturwissenschaftlich-technische Bildung

Kinder sind ständig dabei, mit Fragen und Ausprobieren etwas über ihre Umwelt herauszufinden. Mit ihren Warum-Fragen fordern sie Erklärungen geradezu hartnäckig ein und geben sich dabei mit oberflächlichen Antworten selten zufrieden. Sie möchten hinter die Dinge schauen und sie verstehen. In diesem Sinne findet Selbstbildung durch „Aneignung von Welt“ statt. Die Beschäftigung mit der belebten Natur (z.B. mit Tieren und Pflanzen) und der unbelebten Natur (z.B. mit den Elementen) hat einen großen Stellenwert in unserer Arbeit.

Naturwissenschaftliches Denken lässt sich besonders im Themenbereich der Technik realisieren. Kindern sind technische Geräte vertraut und sie gehen selbstverständlich mit ihnen um. Für die Kinder bedeutet die Beschäftigung mit technischen Fragestellungen zum einen die Entwicklung zu einem positiven Technikbewusstsein, zum anderen aber auch die Möglichkeit, eine kritische Haltung aufzubauen hinsichtlich Wegwerfgesellschaft, Müll, Begrenztheit von Ressourcen, etc.

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es selbstverständlich, dass:

  • neben der Beobachtung als Methode auch das Experiment einen hohen Stellenwert einnimmt. Hierbei ist uns wichtig, einige wenige aber gut ausgewählte Experimente mit Materialien, die die Kinder aus ihrem Alltag ohnehin kennen, durchzuführen.
  • es nicht um vorschnelle Beantwortung von Fragen oder das Ansammeln von Faktenwissen geht, sondern die Kinder ausreichend Gelegenheit erhalten, selbsttätig zu forschen, Erfahrungen zu machen und sich kreativ und aktiv handelnd mit Problemen und Fragestellungen auseinanderzusetzen.
  • die Kinder sich als kompetent empfinden, indem sie Antworten auf Fragen finden, neue Erkenntnisse gewinnen und Zusammenhänge entdecken.
  • die Kinder mit einfachen Werkzeugen und Werkstoffen (Säge, Hammer, Schraubendreher, Holz, etc.) Herstellungs- und Veränderungsprozesse selbstständig nachahmen können.
  • Naturbeobachtungen gemacht werden (Sonnenaufgang, Sternenhimmel, Gewitter, helle und dunkle Jahreszeiten, Tiere im Wald und auf der Wiese, wachsen von Pflanzen).
  • Langzeitbeobachtungen gemacht werden (einen Baum ein Jahr lang beobachten, Jahreszeiten erleben).
  • im Rahmen von Angeboten gebacken und gekocht wird. Dabei können die Kinder messen, wiegen, mischen, erwärmen, erhitzen, Veränderlichkeit von Stoffen beobachten, etc.
  • Farben zum Malen aus Pflanzen und Mineralien selbst hergestellt werden.
  • Ausflüge zum Forscherlabor organisiert werden.
  • viel Platz und vielseitige Materialien zum Bauen und Konstruieren zur Verfügung stehen.
  • Eltern, die beruflichen Bezug zu naturwissenschaftlichen oder technischen Themen haben, mit einbezogen werden.

7.12 Ökologische Bildung

Pflanzen, Tiere und Menschen leben gemeinsam auf unserer Erde. Alle sind voneinander abhängig, brauchen sich gegenseitig, stehen in Wechselbeziehung zueinander. Sobald sich etwas in einem Bereich verändert, wirkt sich dies in den anderen Lebensbereichen aus. Das System gerät aus dem Gleichgewicht und pendelt sich anders wieder ein. Im Mittelpunkt der ökologischen Bildung stehen der achtsame Umgang mit den natürlichen Ressourcen, das Erleben ökologisch intakter Lebensräume und praktische Projekte, die den Kindern den Umweltschutz nahebringen, ohne zu moralisieren. Dazu brauchen die Kinder Vorbilder von Erwachsenen. Nur wer seine Umwelt und ihre Bedeutung für die eigene Existenz kennt, wird sie auch schützen.

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist es selbstverständlich, dass:

  • die Kinder in der Natur Tag für Tag Wärme, Kälte, Nässe und Wind spüren.
  • die Kinder Veränderungen im Wald beobachten, wie Jahreszeiten, Spuren von Tieren und Fahrzeugen, umgestürzte oder abgesägte Bäume, Müll, usw.
  • die Kinder Geräusche im Wald hören, sie lokalisieren und identifiziert, wie Vögel, Wind, Menschen, Hunde, Flugzeuge, Traktoren, usw.
  • die Kinder Gerüche der Natur wahrnehmen, wie Blätter, Blüten, Harz, Erde, Tiere, usw.
  • die Kinder den Tastsinn durch den täglichen Umgang mit Naturmaterialien, wie Moos, Rinde, Zapfen, Blättern, Federn, Früchten, Steinen, usw. verfeinern.
  • die Kinder sich als Teil der Natur erfahren, natürliche Zusammenhänge erkennen und sie in Zusammenhang mit dem eigenen Leben bringen (Vergänglichkeit und Neubeginn).
  • die Kinder täglich naturnahes Außenspielgelände mit einheimischen Pflanzen aller Art, mit Beeten, Komposthaufen, Nistkästen, Vogeltränken, Nisthilfen für Insekten, usw. erleben und aktiv mitgestalten.
  • die Kinder täglich Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung erleben.
  • der Kindergarten sich an der Aktion „Sauberes Bedburg“ beteiligt.
  • Lupengläser, Lupen, Füllgläser mit Deckel, Ferngläser, usw. zur Verfügung stehen.
  • ein bewusster Umgang mit Energie und Wasser vorgelebt und vermittelt wird, zum Beispiel Stoßlüften, nur so viel heizen wie nötig, Regenwassernutzung im Außengelände und Händewaschführerschein (Wasser nicht dauerhaft laufen lassen! Wieviel Seife brauche ich? Wie wasche ich meine Hände gründlich?).
  • die Kinder Abfallstoffe kennen, Müll trennen und vermeiden lernen, indem wir einmal pro Monat eine Müllsammelaktion im Wald durchführen.
  • Anregungen gegeben werden, das eigene Konsumverhalten zu überdenken, zum Beispiel durch spielzeugfreie Tage, Reparatur von Alltagsgegenständen und Spielsachen.
  • regionale und saisonale, ökologisch produzierte Nahrungsmittel verwendet werden.

Die positiven Wirkungen der Natur auf die Kinder erleben wir im Waldkindergarten jeden Tag auf unterschiedlichste Art und Weise. Wir sind überzeugt, dass Umweltschutz für diese Kinder im späteren Leben eine Selbstverständlichkeit sein wird, da sie gelernt haben Verantwortung für sich, für ihr Handeln und den Umgang mit Umwelt und Natur zu übernehmen. Je früher Kinder an diese Verantwortung herangeführt werden, umso nachhaltiger werden sie diese Aufgabe auch in Zukunft übernehmen.

 

7.13 Medien

Kinder wachsen mit den verschiedensten Medien auf und nutzen diese je nach Verfügbarkeit in ihrer Lebenswelt vielfach wie selbstverständlich. Als Medien sind hierbei sowohl die neuen Medien Internet, Computer, Handy, etc. zu verstehen, als auch die traditionellen oder herkömmlichen Medien wie Zeitungen, Fernsehen, Bilderbücher oder CDs. Sie sind eine positive Erweiterung ihrer sonstigen Erfahrungsmöglichkeiten und Teil ihrer Kinderkultur.

Bei den Waldwichteln in Bedburg haben die Kinder die Möglichkeit:

  • sich jederzeit eins unserer zahlreichen Bücher auszusuchen und dieses alleine oder mit Freunden oder mit Fachkräften anzuschauen und vorlesen zu lassen.
  • auf eine große Auswahl von Musik-CDs und Hörspielen zuzugreifen.
  • Fotos von zu Hause mitzubringen oder Fotos, die in der Kita gemacht wurden, anzuschauen und zu präsentieren.

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8. Zweijährige in unserem Waldkindergarten

Seit August 2010 betreuen wir Kinder im Alter von 2 Jahren bis zum Eintritt in die Schule.

Seither machen wir die Erfahrung, dass viele zweijährige Kinder den Übergang von Zuhause in den Kindergarten oft sogar problemloser bewältigen, als ältere Kinder. Dabei tun sich diejenigen Kinder ganz besonders leicht, die zuvor schon an eine Tagesmutter, einen Tagesvater oder eine Tagespflege gewöhnt waren.

Grundsätzlich unterscheidet sich die Eingewöhnung eines zweijährigen Kindes nicht von der eines drei- oder vierjährigen Kindes. Die Fachkräfte nehmen sich in den ersten Wochen und Monaten für alle Neulinge, unabhängig von deren Alter, besonders viel Zeit, damit sich die Kinder an den Alltag mit den neuen Bezugspersonen in der neuen Umgebung in aller Ruhe gewöhnen können. Dabei ist es uns wichtig, unsere Vorgehensweise vom Bedürfnis des jeweiligen Kindes und nicht von dessen Alter abhängig zu machen.

Die Fachkräfte achten allerdings vermehrt darauf, dass insbesondere die jüngeren Kinder, die ihre Bedürfnisse sprachlich noch nicht so gut ausdrücken können, bekommen was sie brauchen: zum Beispiel einen Rückzugsort für einen Moment der Ruhe, zum Aufwärmen in der kalten Jahreszeit oder zum Kuscheln, usw.

Die Kinder, die ein Mittagsschläfchen machen, nehmen ihr Mittagessen in kleiner Runde drinnen ein, wobei sie von zwei Fachkräften betreut werden. Die Schlafkinder können auf diese Weise zur Ruhe kommen, bevor sie im Anschluss an das Mittagessen von den beiden Fachkräften hygienisch versorgt und ins Bett gebracht werden.

Auch das Mittagsschläfchen ist in unserem Waldkindergarten nicht vom Alter, sondern vom Bedürfnis des jeweiligen Kindes abhängig.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kinder ab zwei Jahren absolut waldtauglich sind. Jedes Kind bekommt in unserem Waldkindergarten so viel Zeit, wie es für seine Entwicklung braucht.

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9. Altersentsprechende Förderung des Kindes

In unserem Waldkindergarten teilen wir die Kinder in gemischte Gruppen ein, das heißt in jeder Gruppe sind alle Altersstufen zu möglichst gleichen Anteilen vertreten. Diese Einteilung hat sich über die Jahre bewährt, weil die Kleinen von den Großen viel lernen und die Großen ihr Sozialverhalten im Umgang mit Jüngeren schulen können. Außerdem bleiben die aneinander gewöhnten Kinder jeder Gruppe auf diese Art zusammen, wenn im August aus jeder Gruppe Kinder in die Schule gehen und entsprechend viele Kinder wieder neu aufgenommen werden. Dabei werden wir allen Altersstufen gerecht, indem wir regelmäßig spezielle Angebote für altersspezifische Kleingruppen in den Waldkindergarten-Alltag integrieren.

Der Kindergartenneuling bekommt von den Fachkräften Unterstützung bei der stundenweisen Trennung von den Eltern. Eine kurze, liebevolle Verabschiedung hat sich als hilfreich erwiesen, da sich die Kinder dann leichter in die Gruppe einfinden. Das Erlernen der Kindergartenregeln ist am Anfang ebenso wichtig wie die räumliche Orientierung und Sicherheit im Wald und das Kennen lernen der übrigen Kinder in der Gruppe. Es bieten sich immer wieder Gelegenheiten, das Kind in verschiedene Spielsituationen von Kleingruppen mit einzubinden (Rollenspiele wie Bauernhof, Familie, Berufe). Im Morgen-, Frühstücks- und Abschlusskreis bekommt das Kind einen Überblick über die ganze Gruppe.

Das 2- bis 3-jährige Kind erfährt eine gewisse Autonomie. Es erkennt, dass es nicht mehr in allen Lebensbereichen total abhängig ist, überträgt dies auf alle Lebensbereiche und neigt dadurch schon mal schnell zu Selbstüberschätzung und glaubt, es könne ALLES. Nie wieder im Leben ist der Mensch so von sich, seinen Möglichkeiten und Kräften überzeugt, wie in diesem Alter. Im Waldkindergarten ist es wertvoll, dass das Kind in seinem Erkundungs- und Forschungsdrang von selbst an die eigenen Grenzen stößt, ohne dass wir Erwachsenen Grenzen setzen müssen. Natürlich ist es die Aufgabe der Fachkräfte, Risiken einzuschätzen und das Kind gegebenenfalls zu schützen, wenn es sich durch seine Selbstüberschätzung möglicherweise in Gefahr bringt.

Auch ist dieses Alter eine sensible Phase für die Sprachentwicklung. Gerade der Wald kann da auch schon bei den Zweijährigen sehr hilfreich sein, denn neue Reize, werfen neue Fragen auf, die Neugier des Kindes wird lebendig gehalten. Auf den Wegen sprechen und singen die Kinder und Fachkräfte sehr viel miteinander, so dass das Sprachzentrum während der gesamten Kindergartenzeit aktiv ist. Da die Kinder ihre Spielsituationen im Waldkindergarten zumeist mit Naturmaterialien selbst entwickeln und gestalten, müssen sie ihre Spielideen auch während des Freispiels häufig verbal kommunizieren, um Spielpartner zu gewinnen und zu halten.

Der Erwerb von Autonomie in diesem Alter bringt auch eine große Ichbezogenheit mit sich. Da ist es wichtig, dass die Erzieherinnen das Kind liebevoll und kompetent bei dem Eintritt in die soziale Kinderwelt begleiten, so dass es Spielpartner bzw. Freunde finden kann. Pädagogische Aufgabe ist es, das Kind zu unterstützen, angemessen Kontakt aufzunehmen, Grenzen zu akzeptieren, mit Frustration umzugehen, Konflikte zu bewältigen, Mitgefühl zu entwickeln und eigene Bedürfnisse zurückzustellen.

Der Schwerpunkt unserer Arbeit mit den unter Dreijährigen liegt in der Vermittlung von grundlegenden, lebenspraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie: den Weg bewältigen, Rucksack aus- und einpacken, selbstständig essen und trinken, vorhandenes Material nutzen, Regeln verstehen und einhalten sowie Kontakt aufnehmen. Kinder in diesem Alter brauchen nur bedingt eine Gruppe zum Spielen. Der Wald bietet Freiraum für eigene Bedürfnisse und Interessen.

Das 3- bis 5-jährige Kind hat seinen festen Platz in der Gruppe gefunden. Es bewegt sich sicher im Wald und hält sich an die Regeln und Gebote des Waldkindergartens. Das Kind ist selbständig genug, eigene Spielideen zu entwickeln und mit anderen Kindern durchzuführen. Es kann eigene Absprachen treffen und einhalten. Es versucht Konflikte verbal zu lösen. Für die Fachkräfte ist dies eine wichtige Phase um eventuelle Entwicklungsauffälligkeiten zu erkennen und den Eltern mitzuteilen. In diesem Alter wächst das Interesse und die Aufgeschlossenheit für Sachthemen. Diese Entwicklung nutzen die Fachkräfte, indem sie für die Kinder interessante Themen wie beispielsweise das Wetter, die Raumfahrt, den menschlichen Körper und die Elemente aufgreifen und mit ihnen erarbeiten.

Das Vorschulkind benötigt mehr Freiräume. Der Wunsch, die alltäglichen Rituale zu verändern oder aufzugeben und durch neue Ideen zu ersetzen, ist jetzt ausgeprägter. Nach Möglichkeit finden diese Wünsche Berücksichtigung. Um die Kindergartenzeit auch im letzten Jahr interessant zu gestalten, werden zusätzlich besondere Angebote für die Vorschulkinder gemacht. Sachthemen nehmen die Kinder meist konzentriert und mit Freude an, hinterfragen sie und ziehen eigene Schlussfolgerungen. Dieses Interesse der Kinder wird durch die Fachkräfte gefördert mit Anschauungsmaterial, Wissensvermittlung und Anleitung zur praktischen Umsetzung. Die Fachkräfte beobachten bei den zukünftigen Schulkindern die körperliche und soziale Reife und versuchen Defizite durch gezielte Angebote auszugleichen (fein- und grobmotorische Übungen, Rollenspiele, Konzentrationsübungen). Ausflüge in die kulturelle Umwelt (Polizei und Feuerwehr, Bauernhof und Zoo, Bücherei und Museum) erweitern den Aktionsradius und bilden den geeigneten Rahmen, um sicheres und korrektes Verhalten im Verkehr zu üben (Verkehrserziehung).

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10. Zusammenarbeit mit den Eltern

Die gute Zusammenarbeit mit den Eltern ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Die Eltern haben die Möglichkeit an Vormittagen im Waldkindergarten mit dabei zu sein und die regelmäßig vom Elternbeirat organisierten Elterntreffs sorgen für einen guten Austausch. Bei Aktivitäten und Exkursionen unterstützen uns die Eltern tatkräftig. Bei den Elternabenden wird über die Inhalte der Kindergartenarbeit und die aktuelle Gruppensituation berichtet. Zusätzlich werden auch themenbezogene Elternabende organisiert (z.B. zu Schulreife, Verkehrserziehung, gesunder Ernährung, Gewaltprävention, Zahngesundheit, usw.).

Das pädagogische Team bietet Elterngespräche an und ist offen für Fragen rund ums Kind. Darüber hinaus haben die Eltern stets die Möglichkeit Gesprächstermine mit den gewünschten Fachkräften zu vereinbaren. Die Eltern sind aufgefordert, alle ihre Fragen rund um das Kind an uns zu richten, damit wir zusammen eine Lösung finden können.

Im Rahmen der Beteiligung der Eltern greifen wir Kritik und Konflikte auf und suchen nach Lösungen. Wir verstehen Beschwerden als Gelegenheit zur Entwicklung und Verbesserung, wir betrachten sie als Lernfeld und Chance.

10.1 Eingewöhnungs-Zeit

Beim Info-Nachmittag im Frühjahr bekommen die neuen Eltern unseren „Fragebogen zur Vorbereitung der Eingewöhnungszeit“, den sie zuhause in Ruhe ausfüllen und zum ersten Gesprächs- bzw. Hospitationstermin in den Waldkindergarten mitbringen. In diesem Fragebogen ermitteln wir Wissenswertes über z.B. das familiäre Umfeld, den Entwicklungsstand, Trennungserfahrungen, Gewohnheiten und Vorlieben, Krankheiten sowie Sprache, Körpersprache und Eigenheiten des jeweiligen Kindes. Diese Vorinformationen helfen Kindern, Eltern und pädagogischem Team dabei, die Eingewöhnungszeit optimal zu gestalten. Dazu gehören natürlich auch klare Absprachen zur Sauberkeitserziehung.

Die Eingewöhnungsphase selbst gestaltet sich ganz individuell von Kind zu Kind und von Eltern zu Eltern unterschiedlich. Manchen Kindern und Eltern fällt die Trennung leichter, andere brauchen etwas mehr Zeit dafür. Manche Kinder sagen schon am ersten Tag mit strahlendem Gesicht „Tschüss Mama und Papa!“. Andere Kinder möchten ihre Eltern eine Weile lang in der Nähe behalten. Wieder andere brauchen ein bestimmtes Verabschiedungsritual, mit dem die Trennung dann leichter fällt. Wir bemühen uns all diesen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wichtig ist dabei, dass Eltern sich genügend Zeit nehmen das Kind zunächst für einige Tage zu begleiten, so dass es in sicherer Bindung zu einem Elternteil die fremde Umgebung kennen lernen und sich daran gewöhnen kann. In dieser Phase halten die Fachkräfte sich zwar zurück, machen aber deutlich, dass sie sich über die Anwesenheit von Kind und Elternteil freuen. Erst allmählich treten die Fachkräfte mit dem Kind in Kontakt, um so eine Grundlage für Bindung zu schaffen, die eine Grundvoraussetzung für das Wohlbefinden des Kindes ist. In den allermeisten Fällen integriert sich ein Kind ganz schnell, nachdem die Eltern außer Sicht sind. Lässt sich ein Kind einmal nicht beruhigen, informieren wir die Eltern spätestens nach einer halben Stunde. Uns ist sehr wichtig, diesen großen Schritt in eine neue Lebensphase sanft und freudvoll für Kinder und Eltern zu gestalten.

Die Kinder dürfen ihre Bezugspersonen selbst wählen. Unser Ziel ist, dass jedes Kind die Möglichkeit hat, zu allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – auch Gruppen übergreifend – ein liebe- und vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, damit es sich nicht auf eine Person fixiert und irritiert ist, wenn diese Person einmal ausfällt. Auf diese Art lernen alle Team-Mitglieder die Besonderheiten in den Bereichen Sprache, Mimik und Gestik der Neulinge genau kennen, was uns ebenfalls sehr wichtig ist.

Der Alltag im Waldkindergarten ist sehr strukturiert, wird von Ritualen, die für Kinder wichtig sind, begleitet, und ist dennoch jeden Tag anders und besonders. Auch deshalb ist eine sichere, konstante Bindung Grundvoraussetzung für das Wohlbefinden des Kindes.

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11. Sicherung der Rechte des Kindes

Bei den Waldwichteln in Bedburg ist Beteiligung eine Selbstverständlichkeit. So hat jedes Kind die Möglichkeit sich an den Aufgaben des Alltags und deren Verrichtung zu beteiligen. Die Kinder werden in Entscheidungsprozesse mit einbezogen und haben zudem jederzeit das Recht Veränderungen demokratisch zu bewirken:

  • Möchte ein Kind zum Beispiel bei einem Angebot nicht mitmachen, dann muss es das auch nicht.
  • Spricht sich morgens die Mehrheit der Kinder gegen den geplanten Waldplatz aus, so wird gemeinsam ein anderer ausgewählt.
  • Bei der Vorschule haben die Kinder die Möglichkeit, die vorgelegten Arbeitsblätter in selbst gewählter Reihenfolge zu bearbeiten.

Zudem haben die Kinder jederzeit das Recht sich in eigenen Angelegenheiten zu beschweren:

  • Im Abschlusskreis haben die Kinder die Möglichkeit den Tag zu reflektieren und sich über Dinge, die ihnen missfallen haben, zu beschweren.
  • Nach Angeboten für die Kinder oder nach der wöchentlichen Turnstunde bitten die Fachkräfte die Kinder um Rückmeldung und diese können so berichten, was ihnen gefallen hat oder was sie evtl. anders machen würden.

Durch die Möglichkeit der Beschwerde können die Kinder erfahren:

  • dass sie Beschwerden angstfrei äußern können,
  • dass ihnen aufmerksam zugehört wird,
  • dass ihnen Respekt und Wertschätzung entgegengebracht wird,
  • dass sie bei Bedarf individuelle Hilfe erhalten und
  • dass Fehlverhalten von Seiten der Erwachsenen eingestanden wird und Verbesserungsmöglichkeiten umgesetzt werden.

Die Kinder erfahren Selbstwirksamkeit durch die Möglichkeit der Beteiligung und Beschwerde. Bei allem Recht auf Mitbestimmung, lernen sie aber auch, dass es zum eigenen Schutz und zum Schutz der anderen wichtig ist, sich an die grundlegenden Regeln in unserem Waldkindergarten zu halten.

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12. Qualitätssicherung

Im Hinblick auf eine vertrauensvolle und offene Atmosphäre sind uns die Anliegen, Fragen und Wünsche der Eltern und Personensorgeberechtigten ebenso wichtig wie die Kinder selbst.

Qualität sichern wir wie folgt:

  • Die Eltern haben jederzeit die Möglichkeit mit der Gruppenleitung einen Hospitationstermin zu vereinbaren, um einen Einblick in das Spielverhalten ihres Kindes, aber auch in das pädagogische Handeln der Fachkräfte und die aktuelle Themenstellung der Gruppe zu erhalten.
  • Beim Info-Nachmittag im Frühjahr bekommen die neuen Eltern unseren „Fragebogen zur Vorbereitung der Eingewöhnungszeit“, den sie zuhause in Ruhe ausfüllen und zum ersten Gesprächs- bzw. Hospitationstermin in den Waldkindergarten mitbringen.
  • Zum intensiven Austausch über die Entwicklung ihrer Kinder werden die Eltern ein- bis zweimal im Jahr zu einem Entwicklungsgespräch eingeladen. Hierbei wird die körperliche, geistige und soziale Entwicklung jedes einzelnen Kindes in einem Einzelgespräch beleuchtet. Dazu gehören positive Eigenschaften, aber gegebenenfalls auch Auffälligkeiten, wie Sprachfehler. Bei Bedarf werden Lösungswege gemeinsam durchdacht und Hilfe-stellungen gegeben. Zusätzlich besteht jederzeit die Möglichkeit zu weiteren Gesprächen.
  • Wir dokumentieren:
    a) die
    Sprachentwicklung
    -> mittels BaSiK (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung
    in Kindertageseinrichtungen)
    b) die
    körperliche, geistige und soziale Entwicklung
    -> mittels eines selbst entwickelten, auf den Waldkindergarten zugeschnittenen
    Entwicklungsbogens
    -> mittels des „Münsteraner“-Entwicklungsbogens
  • Durch regelmäßige Teamsitzungen innerhalb des pädagogischen Teams sowie mit Vorstand und Eltern-Beirat als Rat der Einrichtung stehen wir im ständigen Austausch miteinander und entwickeln uns stetig weiter. Dadurch bilden wir für Kinder und Eltern eine stabile Einheit, können an Probleme konstruktiv herangehen und diese ebenso lösen.
  • Einmal pro Woche findet ein „Leitungs-Meeting“ statt. Dort treffen sich Einrichtungsleitung und Geschäftsführung zum fachlichen Austausch über alle Waldkindergarten-Themen.
  • Jedes zweite Jahr absolviert die gesamte Belegschaft eine zertifizierte Teamschulung „Ausbildung Erste Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder“. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass in Waldkindergärten das Unfallrisiko sehr gering ist.
  • Einmal pro Jahr nimmt das gesamte Team, inklusive Hausmeister und Reinigungskräfte (auch Fremdpersonal) Teil an einer Teamschulung „Infektionsschutzbelehrung, Hygienestandard, Biostoff- und Gefahrstoffverordnung“.
  • Die Fachkräfte nehmen regelmäßig Teil an Fortbildungen aller Art und bleiben so pädagogisch immer auf dem neuesten Stand. Darüber hinaus organisieren wir mindestens eine Team-Fortbildung pro Jahr, die neben der pädagogischen Schulung auch die Teambildung sehr fördert.
  • Jedes Jahr im Januar dürfen die Eltern unseren „Fragebogen zur Erhebung der Gesamtzufriedenheit bei den Waldwichteln in Bedburg“ ausfüllen und anonym bei uns abgeben. Diese werden dann von den Fachkräften ausgewertet und das Team erarbeitet daraufhin gemeinsam mögliche Verbesserungsmaßnahmen.
  • Zweimal im Jahr setzt sich das gesamte Team zu einer Kita-Konferenz zusammen, in der wir gruppenübergreifend das Wohlergehen all unserer Schützlinge besprechen.